Jahresbericht 2012 des DWA HA Hydrologie und Wasserbewirtschaftung

DWA-Hauptausschuss HW „Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“ – Jahresbericht
Autoren: M. Disse, K. Miegel, E. Christoffels, G. Wernecke, K. Piroth, R. Jüpner, U. Müller

Der DWA-Hauptausschuss HW „Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“ (Vorsitzender: Prof. Dr. Markus Disse) hat in der DWA die Aufgabe, im Rahmen der Regelwerksarbeit die wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnisse aus den Bereichen qualitative und quantitative Hydrologie sowie der Wasserbewirtschaftung zu bündeln. Die aktuellen Erkenntnisse werden in der Fachgremienarbeit in praxisrelevante Handlungsempfehlungen eingearbeitet.
Gegenwärtig arbeiten vier Fachausschüsse und 17 dazugehörige Arbeitsgruppen an diesen Aufgaben. Insbesondere werden Fragen der Erfassung, Verifizierung und Ableitung hydrologischer Größen, Verfahren zur Erhebung und Modellierung der Wasserbeschaffenheit, Maßnahmen der Wasserbewirtschaftung in unterschiedlichen Skalen, sowie Fragen der Hochwasservorsorge behandelt.

Schwerpunkte der Arbeiten in den Fachausschüssen
Fachausschuss HW 1 „Quantitative Hydrologie“
(Obmann: Prof. Dr. Konrad Miegel)
Der Fachausschuss setzt sich gegenwärtig aus 4 Arbeitsgruppen zusammen. Es handelt sich dabei um die AG HW-1.1 „Niederschlag“, die AG HW-1.2 „Verdunstung“, die AG HW-1.3 „Bodenhydrologische Kartierung“ und die AG HW-1.4 „Wechselwirkungen zwischen Grund- und Oberflächenwasser“.
Nachdem die „Beobachteranleitung für nebenamtliche Niederschlagsstationen Nst (A) und Nst (k)“ (BAN) als Arbeitsblatt DWA-A 530 im Jahr 2011 herausge-geben worden ist, konnte durch Herausgabe des Arbeitsblattes DWA-A 531 “Starkregen in Abhängigkeit von Wiederkehrzeit und Dauer“ im September 2012 ein weiteres Weißdruckverfahren abgeschlossen werden.
Die Überarbeitung des Merkblatts DVWK 238 „Verdunstung“ wurde begonnen, wobei die Zusammenführung mit dem Merkblatt ATV-DVWK M-504 und Berücksichtigung von Aspekten der Interzeption geplant ist. Es zeichnet sich ein beträchtlicher Umfang des Merkblattes ab, so dass entschieden wurde, das Themenheft in Form von 2 Teilen, mit dem Teil 1 “Grundlagen, experimentelle Bestimmung, Gewässerverdunstung“ und Teil 2 „Berechnungsverfahren, Modellierung, Anwendungsfälle“, herauszugeben. Die Bearbeitung des Themenheftes „Wechselwirkungen zwischen Grund- und Oberflächenwasser“ befindet sich in der Endphase. Nach der Sitzung im Dezember 2012 sind nur noch wenige Verbesserungen und Korrekturen erforderlich, die bis Mitte Januar 2013 abgeschlossen werden sollen.

Fachausschuss HW 2 „Qualitative Hydrologie“
(Obmann: Dr. Ekkehard Christoffels)
Die Qualitative Hydrologie beschäftigt sich mit Methoden zur Erfassung der chemisch-physikalischen und biologischen Wasserbeschaffenheit der Stoffströme in Flusseinzugsgebieten. Dabei sind die vielfältigen Eintragspfade ebenso Gegenstand der Untersuchungen wie die stehenden und fließenden Gewässer, die die Stoffe aus der Umgebung aufnehmen. Zur Charakterisierung der Stoffströme werden Monitoringstrategien entwickelt und Modellwerkzeuge eingesetzt. Die mit den Monitoringmaßnahmen und den Modellanwendungen gewonnenen Daten werden zu Informationen als Entscheidungsgrundlage für das Flussgebietsmanagement aufbereitet.
Die vorgenannten Aufgaben stellen den inhaltlichen Schwerpunkt der Aufgaben im Fachausschuss HW-2 dar. Die Arbeitsgruppe HW-2.1 „Messnetze zur Erfassung der Wasserbeschaffenheit“ arbeitet bereits aktiv an der Erstellung eines Merkblatts mit dem Titel „Erfassung der physikalisch-chemischen Wasserbeschaffenheit von Fließgewässern – Strategien, Konzeptionen, Umsetzung“. Weitere Arbeitsgruppen sollen sich künftig mit der Modellierung der Stoffströme und den Bewirtschaftungsgrundlagen des Stoffhaushalts in Flussgebieten befassen.
Herr Dr. Ekkehard Christoffels (Erftverband, Bergheim) wurde im Jahr 2012 zum Obmann für den Fachausschuss HW-2 „Qualitative Hydrologie“ berufen. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung von Emissions- und Immissionsinventaren in Flusseinzugsgebieten auf Basis von Monitoringstrategien und Modellanwendungen.

Dr. Christoffels

Dr. Christoffels

Bild: Obmann FA „Qualitative Hydrologie: Dr. Ekkehard Christoffels“

Fachausschuss HW 3 „Wasserbewirtschaftung“
(Obfrau: Dr. Gabriele Wernecke)
Die DVWK –Regeln 120 und 121: Niedrigwasseranalyse Teil 1: Statistische Untersuchung von Niedrigwasserabflüssen (120), Teil 2: Statistische Untersuchung von Unterschreitungsdauer und –Abflussdefizit (121) wurden überarbeitet und stehen kurz vor der Veröffentlichung. Außerdem wird das DWA-Themenheft “Integrierte Wasserbewirtschaftung in ausgewählten Flusseinzugsgebieten Deutschlands – Ergebnisse von BMBF-Forschungsprojekten“ mit den Schwerpunkten
• Auswertung von Projekten der Förderinitiativen „Flussgebietsbewirtschaftung“ und „GLOWA“ des BMBF
• Synopse der Projektergebnisse, des Handlungsbedarfs und der Forschungsdefizite
im April 2013 herausgegeben. Das DWA-Themenheft „Entscheidungsunterstützungssysteme für ein nachhaltiges Flussgebietsmanagement“ wurde Ende 2011 veröffentlicht.

Fachausschuss HW 4 „Hochwasservorsorge“ (Obmann: Dr. Klaus Piroth)
HW 4.1 Hochwasserrisikomanagement (Sprecher: Dr. Uwe Müller)
Die Arbeitsgruppe hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten unter Einbeziehung kausaler, historischer und räumlicher Informationen befasst. Dabei lag ein Schwerpunkt auf der Frage der Ermittlung seltener (bzw. extremer) Hochwasserabflüsse. Im Ergebnis ist das DWA-Merkblatt M 552 „Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten“ in 2012 erschienen. Die Arbeitsgruppe richtet sich jetzt neu aus und will insbesondere fachausschussübergreifende Themen der Hochwasserrisiko-management-Richtlinie aufnehmen. Neben der Erarbeitung eines Themenbandes primär für die kommunalen Anwender ist die Erstellung eines einheitlichen Glossars zum Thema „Hochwasser und Hochwasserschutz“ vorgesehen.

HW 4.2 Starkregen und Überflutungsvorsorge
(Sprecher: Dr. Mark Illgen)
Die Arbeitsgruppe wurde im November 2011 gemeinsam mit dem BWK gegründet. Sie widmet sich Extremereignissen, die im stadthydrologischen Bereich wie auch in der Raum- und Straßenplanung bis heute nahezu gänzlich unberücksichtigt bleiben. Hier hat in den letzten Jahren ein Bewusstseinswandel eingesetzt, nicht zuletzt bedingt durch enorme Schadensausprägungen, die urbane Sturzfluten in verschiedenen Regionen (Dortmund, Killertal,…) verursacht haben. Ziel der AG ist die Erarbeitung eines praktischen Leitfadens, der den Kommunen einen Einstieg in die kommunale Überflutungsvorsorge in Bezug auf seltene Starkregenereignisse gibt. Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei mögliche Vorgehensweisen zur Gefährdungsabschätzung und Risikobewertung sowie infrastruktur- und objektbezogene Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge auf kommunaler und privater Ebene. Die Erarbeitung des Leitfadens soll im 2. Quartal 2013 abgeschlossen sein.

HW 4.3 Dezentrale Maßnahmen zur Hochwasserminderung (Sprecher: Prof. Dr. Klaus Röttcher)
Hier wird das DWA Merkblatt M 550 erarbeitet. In diesem sind Möglichkeiten und Grenzen dargestellt, wie im Einzugsgebiet als auch in den Siedlungsgebieten dezentrale Möglichkeiten des Hochwasserrückhaltes als auch der Hochwasservorsorge realisierbar sind. Dabei werden Maßnahmen in Siedlungsgebieten, in der Landwirtschaft, auf Waldflächen, an Gewässern und in der Aue, im Bereich von Infrastruktur sowie Retentionsmaßnahmen betrachtet. Dezentrale Maßnahmen können wichtige Aufgaben im Zuge des Hochwasserrisikomanagements übernehmen und zur Schadensminderung beitragen. Das Merkblatt wird 2013 erscheinen.

HW 4.4 Hochwasserschadensinformation (Sprecher: Dr. Walter Pflügner)
Die Arbeitsgruppe befasst sich mit der Bewertung von Hochwasseranalysen, Schadenspotentialermittlungen und dem Umgang mit Schadensdaten im Gesamtkontext der Projektbewertung. Aufbauend auf dem DWA-Themenband vom August 2008 mit dem Titel „Arbeitshilfe Hochwasserschadensinformationen“ werden weitere Arbeitshilfen für die Praxis erarbeitet und in Seminaren vermittelt. Dies sind:
1) DWA-Themenheft „Schadensanalysen und Projektbewertungen im Hochwasserrisikomanagement (HWRM)“ – 2012 erschienen.
2) DWA-Themenheft „Einsatz von Fernerkundungsdaten in der Hochwasservorsorge“ (Arbeitstitel); Ziel: Fertigstellung bis Sommer 2013.

HW 4.5 Umsetzung von RIMAX-Ergebnissen in die Praxis (Sprecher: Dr. Klaus Piroth)
Viele Grundlagen zu den Themen Hochwasservorhersage, operationelles Hochwassermanagement, Risikomanagement, Risikokommunikation und Deiche wurden in dem Förderprogramm des BMBF zwischen 2005 und 2009 (RIMAX-Projekte) erarbeitet. Eine DWA-Arbeitsgruppe hat sich mit den Inhalten und Ergebnissen befasst und den Praxistransfer durch Veranstaltungen und Veröffentlichungen gefördert. Die Ergebnisse, Produkte und Erfahrungen aus den RIMAX-Projekten sind in vielfältiger Art bei der Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie von Bedeutung, obwohl das Forschungsvorhaben bereits lange auf den Weg gebracht war (2005), als die Richtlinie erschien (2007). In 2013 soll wird ein zusammenfassender Artikel erscheinen.

HW 4.6 Audit Hochwasserindikatoren-Systeme – Wie gut sind wir vorbereitet? (Sprecher: Joachim Gfrörer)
Das Audit ermöglicht Kommunen, sich anhand von nachvollziehbaren Kriterien bzgl. ihres Standes zur Hochwasservorsorge „überprüfen“ zu lassen. Bisher wurde dieses Hochwasseraudit in den Kommunen Au am Rhein, Braunschweig, Dresden, Köln, Wuppertal und im Gebiet des Wupperverbandes durchgeführt. Die Ergebnisse dieses maximal 2-tägigen Audits können sehr gut als Instrument zur Quantifizierung des Standes der Hochwasservorsorge insbesondere in besonders exponierten Kommunen gesehen werden und als Grundlage für gezielte Planungen und auch die Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden. Betrachtet werden dabei die Handlungsfelder „Flächenwirksame Vorsorge“, „Bauvorsorge“, „Risikovorsorge“ und „Verhaltenswirksame Vorsorge“ für Flusshochwasser und Sturzfluten bei Abflüssen HQ10, HQ100 und HQextrem.

HW 4.7 Hochwasserangepasstes Planen und Bauen als Bestandteil des Hochwasserrisikomanagements (Sprecher: Prof. Dr. Robert Jüpner)
In der LAWA-Empfehlung für die Aufstellung von Hochwasserrisiko-Managementplänen (LAWA, 2011) wird explizit als ein Handlungsbereich die Bauvorsorge genannt. Weitergehende Regelungen fehlen allerdings sowohl in dieser Empfehlung als auch in den Gesetzestexten. Zwar existieren eine Reihe von Vorschriften und Merkblätter zu einzelnen Aspekten dieser Thematik, jedoch fokussieren diese vorrangig auf Details, wie sie u. a. in diesen Richtlinien bzw. Merkblättern zu finden sind:
• VDI-Richtlinie VDI-6004: „Schutz der Gebäudeausrüstung vor Hochwasser“ (2006)
• Merkblatt DWA-M 103 „Hochwasservorsorge für Abwasserablagen“ (2006)
Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erstellung eines Merkblattes zum hochwasserangepassten Planen und Bauen, welches vor allem die verschiedenen Facetten der Planungs- und Bauprozesse zusammenführend betrachten soll. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf dem „Bauen im Bestand“ liegen. Es ist vorgesehen, dass der Gelbdruck des Merkblattes in der ersten Jahreshälfte 2013 veröffentlicht wird.

Hauptausschussübergreifende Koordinierungsgruppe „Hochwasser“ (Leitung: Prof. Dr. Robert Jüpner)
Die Koordinierungsgruppe Hochwasser, deren Aufgabe primär in der Koordinierung von hochwasserrelevanten Aktivitäten innerhalb der DWA liegt, war auch im Jahr 2012 in diesem Themenfeld aktiv tätig. So wurden auf der 4. Sitzung der Koordinierungsgruppe am 6. November 2012 in Dresden relevante fachübergreifende Themen im Detail erörtert und das weitere Arbeitsprogramm festgelegt. Die diesjährigen DWA-Hochwassertage am 6./7. November in Dresden wurden erstmalig durch die Koordinierungsgruppe inhaltlich mit geprägt; die DWA-Hochwassertage 2013, werden von der KG Hochwasser in Zusammenarbeit mit dem HKC ausgerichtet und thematisieren die Umsetzung der Hochwasserrisikomanagementpläne mit dem Schwerpunkt im urbanen Bereich.
Zusätzlich sollen erstmalig Posterpräsentationen eingeladen und mit einem Preis der Koordinierungsgruppe prämiert werden.
Die Koordinierungsgruppe Hochwasser versteht sich als erster Ansprechpartner in Sachen Hochwasser innerhalb der DWA und wird die Internetpräsenz zielgerichtet weiter ausbauen. Zudem sollen in einem Positionspapier wichtige Eckpunkte zu aktuellen Themen des Hochwasserrisikomanagements in einem Positionspapier formuliert werden.

DWA-Hochwassertage am 6./7. November in Dresden
Am 06. und 07. November 2012 fanden für knapp 100 Teilnehmer in Dresden die 4. HochwasserTage der DWA statt, die von der „Koordinierungsgruppe Hochwasser“ gemeinsam mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der Landeshauptstadt Dresden und der Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften konzipiert worden sind. Aus Anlass der 10 Jahre zurückliegenden extremen Hochwasserereignisse im Elbe und Donaueinzugsgebiet standen 10 Jahre Erfahrungen und Lehren im Hochwasserrisikomanagement innerhalb und außerhalb Sachsens im fachlichen Focus. Am ersten Tag demonstrierten die sächsischen Fachleute mit den Vorträgen: 10 Jahre Hochwasserrisikomanagement an der Elbe – Focus Sachsen; Hochwasserschutzmaßnahmen der LTV als Bestandteil des HWRM in Sachsen; Hochwasservorsorge an Abwasseranlagen; mit Bürgern kommunizieren, aber wie; Hochwasserbewältigung in der Grenzstadt Görlitz aus Sicht der Wasserwehr und kommunales HWRM in Heidenau, dass im Freistaat Sachsen seit 2002 intensive Aktivitäten in fast allen Bereichen des integrierten Hochwasserrisikomanagements HWRM-RL-konform laufen und die Sachsen für zukünftige Hochwasserereignisse wesentlich besser gewappnet sind. Am zweiten Tag veranschaulichten Referenten aus anderen Bundesländern und anderen EU-Staaten mit den Beiträgen: Was hat sich in Europa seit 2007 getan; Umsetzungserfahrungen in NL, grenzüberschreitende Erfahrungen in FLOOD-WISE; Erfahrungen zur Umsetzung der HWRM-RL aus Sicht der IKSO; Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt; Erfahrungen aus Brandenburg und Aufbau eines kommunalen Hochwassermanagementsystems die vielfältigen Aktivitäten zur Verringerung des Hochwasserrisikos und zur Zielerreichung der HWRM-RL in ihren Ländern. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der Besichtigung des Hochwasserlehrpfades in der Dresdner Altstadt (http://www.hochwasserlehrpfad-dresden.de).

Dirk Barion
Dirk Barion - Dipl.-Geograph, Geschäftsführer der FgHW - In der DWA Fachreferent für Boden, Grundwasser, Hydrologie und Wasserbewirtschaftung

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