Globaler Wandel und seine Auswirkungen auf die Wasserressourcen

Die weltweiten Wasserressourcen werden durch den globalen Wandel sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Veränderung der Abflussregime in Kombination mit der zeitlichen Veränderung des Niederschlags und der Intensität erhöhen die Anfälligkeit der Bevölkerung. Die Auswirkungen der Klimaschwankungen auf die verfügbaren Wasserressourcen wirken entscheidend auf die Lebensgrundlage von Lebewesen ein, indem sie viele Bereiche wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Hygienebedingungen, Nahrungsmittelproduktion, Energie und Tourismus stark beeinflussen. Das Internationale Hydrologische Programm (IHP) der UNESCO besteht im Wesentlichen auf internationaler Kooperation zielt auf ein besseres wissenschaftliches Verständnis der Auswirkungen des globalen Wandels auf hydrologische Systeme ab, um Empfehlungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen den Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen zu können. Die Einflüsse des globalen Wandels auf die Wasserressourcen spielen eine bedeutende Rolle in der siebten Phase des IHP Programms (2008-2013) mit dem Titel „Water Dependencies: Systems under Stress and Societal Responses.“ Zahlreiche IHP Programme wie HELP, FRIEND, IFI, G-Wadi, ISI, GRAPHIC, und die Grundwasser-Programme beschäftigen sich mit Fragen der globalen Veränderungen und deren Auswirkungen. Die einzelnen Forschungsthemen umfassen Studien zum Niedrigwasser, Hochwasser, Variabilität von Abflussregimen, Prozessstudien, Sedimenttransport und Modellierung, Klimaveränderungen und -schwankungen sowie Landnutzungsänderung und deren Einfluss auf Systemparameter. Die Umsetzung der Programme hängt von einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem IHP Sekretariat bei der UNESCO und den Partnern in den einzelnen Mitgliedsstaaten ab. Dieser Artikel gibt einen Überblick über einzelne Wasserprogramme der UNESCO, die sich mit dem Einfluss des globalen Wandels auf die Wasserressourcen beschäftigen und stellt dabei die Wichtigkeit und Notwendigkeit Internationaler Zusammenarbeit im Bereich Wasser in den Vordergrund.

Einleitung

Ein nachhaltiges Management unserer Wasserressourcen ist unabdinglich für die Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft. Dabei spielt der Einfluss des globalen Wandels auf die Wasserressourcen und insbesondere der Klimawandel eine entscheidende Rolle. Es müssen daher Anpassungsstrategien entwickelt werden, die den Umgang mit der Ressource Wasser zum Wohle der Menschen zum Ziel haben. Es gibt nur wenige Regionen weltweit in denen Flusseinzugsgebiete nicht von den zahlreichen menschlichen Aktivitäten und dem Klimawandel betroffen sind. Eine dramatische Zunahme der Urbanisierung prägt nicht nur das Landschaftsbild, sondern wirkt sich auch auf die Abflussbildungsprozesse im gesamten Einzugsgebiet aus, wobei insbesondere die Gebiete in der Nähe von Flussläufen und tiefer liegenden Küstenregionen betroffen sind. Eine Intensivierung der Landwirtschaft geht zudem mit  Entwaldung in verschiedenen Regionen der Welt einher und begünstigt Wüstenbildung. Ein erhöhter Wasserverbrauch durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion verbunden mit einer zunehmenden Urbanisierung führt zu einer verstärkten Nutzung des Grundwassers. All diese Faktoren haben einen negativen Effekt auf die Wasserqualität. Zudem erhöht der Klimawandel die Unsicherheiten über die zukünftig Verfügbarkeit und Variabilität der Wasserressourcen und kann sogar in bestimmten Regionen der Welt zur dauerhaften Versteppung führen. Die Auswirkungen von Hochwasser und Dürren stellen in vielen Regionen eine immer größere Herausforderung und Gefahr dar und müssen heute und in Zukunft noch häufiger als im 20. Jahrhundert bewältigt werden. Obwohl zahlreiche Länder von diesen Veränderungen betroffen sind, und die Behandlung auf lokaler Ebene stattfinden muss, handelt es sich hierbei um ein globales Problem. Daher muss eine Antwort auf die Auswirkungen vor allem auf internationaler Ebene gesucht werden. Keine Institution alleine und kein einzelnes Land können mit diesen globalen Herausforderungen alleine umgehen. Deshalb bieten die Wasserprogramme der UNESCO durch ihre interdisziplinären Netzwerke eine einzigartige Chance die Probleme international anzugehen und Lösungen für die Mitgliedstaaten bereitzustellen. Die Wasserprogramme der UNESCO fördern nicht nur, sondern stärken und erleichtern ein notwendige internationale Zusammenarbeit und bringen die wichtigsten Interessensgruppen zusammen, ob es sich um Regierungen, nationale oder internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, UN-Organisationen, Forschungseinrichtungen oder Universitäten handelt.

Die Aufgabe des Internationalen Hydrologischen Programms (IHP) besteht darin wissenschaftliche Erkenntnisse über die globalen Auswirkungen auf hydrologische Systeme zu erfassen und den Mitgliedsstaaten Entscheidungshilfen an die Hand zu gegeben die zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser führen. Die Einflüsse des globalen Wandels auf die Ressource Wasser spielen auch eine wichtige Rolle in der VII Phase des IHP die im Jahre 2013 ausläuft. Zahlreiche Studien befassen sich mit verscheidenen Aspekten der Auswrikungen des globalen Wandels auf hydrologische Systeme wie z.B. mit der Entwicklung von Anpassungsstrategien, der Entwicklung von Monitoring – Netzwerken und Einrichtung von Datenbanken zur Analyse des globalen Wandels, mit der Bereitstellung von Methdoden und Techniken und dem Austausch von Erfahrungen, mit Vorhersagen von Veränderungen, mit der Einrichtung und Bereitstellung von Verfahren zur Hochwasservorhersage und Niedrigwasser- und Dürreabschätzung. Im folgenden werden einige der wichtigsten Programme des IHP’s vorgestellt die sich mit Themen des globalen Wandels auf dier Resource Wasser beschäftigen.

FRIEND – Flow Regimes from International Experimental and Network Data

Bei FRIEND handelt es sich um ein internationales, interdisziplinäres Forschungsnetzwerk. Es besteht aus acht regionalen Gruppen die sich mit regional spezifischen hydrologischen Fragestellungen beschäftigen. Die Forschungsergebnisse der verschiedenen Gruppen werden alle vier Jahre in einem Bericht zusammengefasst (Servat & Demuth 2006, Huang & Demuth 2010). Zahlreiche Studien befassen sich mit der Untersuchung der hydrologischen Variabilität von Aflussregimen in Raum und Zeit unter unterschiedlichen hydro-klimatischen und hydro-geologischen Verhältnissen wie z.B. in gemäßigten Klimazonen, in Monsun-, Schnee- und Eisregimen und in Gebieten mit geringer Messnetzdichte. Ausserdem befasst sich das Programm mit dem Einfluss von Umweltveränderungen wie z.B. Klimaänderung und Landntzungsänderung auf hydrologische Extreme in unterschiedlichen Skalen. Hier werden nicht nur wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet (Tallksen & van Lanen 2004) sondern auch Kurse zum Thema in verschieden Regionen angeboten (Italien, Marokko, Bhutan, Singapur). In zahlreichen Studien befasst sich die europäische FRIEND Gruppe mit der Untersuchung von klimatischen und anthropognene Einflüssen auf Niedrigwasser und hydrologische Dürren (Stahl et al. 2010). Die Forschungsergebnisse machen deutlich, wie schwierig es ist zwischen natürlicher Variabilität und anthropogenen Einflüssen als Ursachen für die Variabiltät von Niedrigwasser und Dürren, zu unterscheiden.

HELP – Hydrology for Environment, Life and Policy

HELP ist ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, das darauf abzielt einen neuen Ansatz zur integrierten Bewirtschaftung von Einzugsgebieten im Rahmen einer Zusammenarbeit von Wasserrecht- und Politikexperten, Manager im Wasserressourcensektor und Hydrologen zu entwickeln. Eine wichtige Forschungsfrage mit der sich HELP im Zuge dessen beschäftigt, ist, wie Wissen, Verständnis und prädiktive Modellierungsentwürfe von globalen Klimaschwankungen und -veränderungen auf hydrologische Variable angewandt werden können, um das Management von Wasserressourcen, agrarhydrologischen sowie ökohydrologischen Systemen nachhaltig zu verbessern. Außerdem beschäftigt sich das HELP Programm mit folgenden weiteren Fragenstellungen:

  • Wie können Fernerkundungsdaten in Wert gesetzt werden, für ein nachhaltiges Flussgebietsmanagement?
  • Wie können saisonale Vorhersagen verwendet werden, um die Bewirtschaftung der Wasserressourcen einschließlich des Katastrophenschutzes (Überschwemmungen und Dürren) zu verbessern?
  • Wie wichtig sind Schwankungen des Klimas über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, und wie kann dieses Wissen genutzt werden, um die Bewirtschaftung der Wasserressourcen zu verbessern?
  • Worin liegt die hydrologische Bedeutung des potentiellen anthropogenen Klimawandels, und wie können Vorhersagen über solche Änderungen genutzt werden um die Bewirtschaftung der Wasserressourcen zu verbessern? 

IFI – Internationale Flood Initiative (International Hochwasser Initiative)

Die International Hochwasserinitiative verfolgt einen holistischen Ansatz zum Hochwassermanagement vor dem Hintergrund des Klimawandels. An diesem Programm beteiligen sich verschiedene internationale Organisationen wie z.B. WMO, UNESCO, ISDR, IAHS, UNU, und ICHARM. Die beteiligten Organisationen bearbeiten verschiedene Hochwasseraspekte. So zeichnet sich die UNESCO zusammen mit dem Herausgeber der Cambridge Press verantwortlich für eine neue Buchreihe mit dem Titel „Flood Management in a Changing Climate”, die einen wichtigen Beitrag zum IFI leistet. Die Reihe besteht aus vier einzelnen in sich geschlossenen Büchern zum Thema extreme Niederschläge, hydrologische Modellierung von Hochwasser, Modelliering von Ueberflutungsflächen und Hochwasserrisikomanagement. Mit dem Ziel solide Kenntnisse zur Theorie und Praxis des Hochwasserkatastrophenmanagements unter den gegenwärtigen Bedingungen des Klimawandels bereitzustellen, werden außerdem praktische Beispiele aus verschiedenen Regionen vorgestellt und als Ergänzung eine Toolbox bestehend aus Software für praktische Anwendungen bereitgestellt. Das IHP hat zusammen mit der International Association of Hydrological Sciences (IAHS) eine Liste von bedeutenden Überschwemmungen auf der ganzen Welt mit dem Fokus auf meteorologische Ursachen und sozioökonomische Auswirkungen für den Zeitraum von 1860-2008, zusammengestellt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist im dritten World Water Development Report (WWDR 3) veröffentlicht worden.

G-WADIG – Water and Development Information for Arid Lands – A Global Network (Ein globales Informationsnetzwerk über Wasser und Entwicklung in Trockengebieten)

Das G-WADI Programm besteht aus einem Netzwerk von Wissenschaftlern die sich mit dem management der Wasserresoursen in ariden und semi-ariden Gebieten befassen, dabei liegt der Schwerpunkt auf der Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Universität Irvine in Kalifornien arbeitet seit der Gründung des Zentrums für Hydrometeorologie und Fernerkundung (CHRS) eng mit dem Internationalen Hydrologischen Program der UNESCO zusammen. Das Zentrum stellt Niederschläge aus gobalen Satelliten-Schätzungen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung zur Verfügung. Dies ist nicht nur für die Beobachtung von Niederschlägen relevant, sondern besonders wichtig für grenzüberschreitende Einzugsgebiete und Grundwasserleitern in Gebieten, in denen keinen Bodenmessstellen zur Verfügung stehen. Die Webseite der Universität enthält Anwendungen und Tools für Manager von Wasserressourcen, die Hochwasservorhersage und -warnungen, sowie Dürreüberwachung verbessern helfen. Ausserdem stell das CHRS seit einiger Zeit einen Google Earth Niederschlagskartographen bereit, der bereits innerhalb von ein bis zwei Stunden nach Erlangen der Infrarotbilder Niederschlagsschätzungen liefern kann. Diese Anwendung wird vor allem in Entwicklungsländern immer populärer und stärkt deren Fähigkeit die weltweiten Wasserressourcen zu verwalten, indem operativen Hydrologen und Managern von Wasserressourcen Zugang zu satellitengestützten globalen Niederschläge gewährt wird (http://www.gwadi.org/).

Wasserqualität

Klimawandel wird voraussichtlich die Wasserqualität in beträchtlichem Ausmaße beeinflussen. Die prognostizierte Verringerung der Niederschläge und Abflüsse wird zu einem Rückgang sowohl in der Quantität als auch in der Qualität der Wasserversorgung führen. Zudem verschlechtern Dürren die Wasserqualität, da weniger Wasser für die Verdünung von Abwasser zur Verfügung stehen. Höhere Wassertemperaturen, erhöhte Niederschlagsintensitäten und längere Niedrigwasserperioden werden vermutlich zahlreiche Formen der Wasserverschmutzung, einschließlich Sedimente, Nährstoffe, gelöster organischer Kohlenstoff, Krankheitserreger, Pestizide, Salze und thermische Verschmutzung verschärfen (IPCC, 2008).

Dies fördert das Entstehen von Algenblüten und erhöht das Vorkommen von Bakterien und Pilzen, was wiederum Auswirkungen auf Ökosysteme, die menschliche Gesundheit und die Verlässlichkeit und Betriebskosten von Wasserversorgungs- und Entsorgungssystemen hat. Erhöhte thermische Stabilität und eine damit einhergehende Veränderung der Durchmischung verringern steigende Temperaturen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wasserqualität in Seen, was zu einer verringerten Sauerstoff-Konzentrationen und einer erhöhten Freisetzung von Phosphor aus Sedimenten führen kann. Zudem wird häufiger auftretender Starkregen voraussichtlich zu einer Verschlechterung der Wasserqualität führen, da es den Transport von Krankheitserregern und anderen gelösten Schadstoffen (wie Pestizide) in Grundwasser und Oberflächengewässern erleichtern wird. Häufiger Starkregen führt zudem zu erhöhter Erosion, die wiederum führt zur Mobilisierung der adsorbierten Schadstoffe wie Phosphor und Schwermetallen. Des Weiteren besteht das Risiko die Kapazität der Kanalisation sowie der Wasser-und Abwasseraufbereitungsanlagen häufiger zu überlasten. In Gebieten mit insgesamt geringeren Abflussmöglichkeiten wie in semi-ariden Gebieten, wird die Verschlechterung der Wasserqualität noch schlimmere Folgen zeigen.

Das International Hydrologische Program der UNESCO befasst sich mit Fragen der Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserqualität im Rahmen von spezifischen Aktivitäten, Projekten und Fallstudien. Darüber hinaus entwickelt das IHP Handlungsempfehlungen und Anpassungsstrategien. Die Aktivitäten beinhalten folgende Strategien:

  • Minimierung der Schadstoffbelastung in Flüssen und Oberflächengewässern während extremer Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Dürren;
  • Die Entwicklung nachhaltiger Ansätze für die Sanitär- und Abwasserwirtschaft, um die erhöhte Abwasserverunreinigung von Oberflächen- und Grundwasser sowie die Übertragung von Wasser- und vektorübertragenen Krankheiten bei Hochwasserereignissen zu verhindern;
  • Entwicklung von Strategien zur Erhöhung und Erhaltung der Widerstandskraft natürlicher Gewässer, um Verschmutzungen zu bewältigen.

ISI – Internationale Sediment Initiative

Die Internationale Sediment Initiative fördert ein nachhaltiges Sedimentmanagement auf globaler Ebene, da dies große wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen auf die Bewirtschaftung der Wasserressourcen haben kann. Sedimentation reduziert nicht nur die Kapazität von Speicherseen, sondern erhöht auch die Hochwassergefahr durch Anlandung bei Bergvorlandflüssen. In vielen Teilen der Welt wird eine Veränderung der natürlichen Flussläufe beobachtet, der durch Degradierung und Erosion von Ufern und Stränden in der Nähe von Flussmündungen mit Sedimentenschwund hervorgerufen wird. Das Programm ISI beschreibt anhand von zahlreichen Fallbeispielen von grossen Flusssystemen unterschiedliche Verfahren zum Sedimentmonitoring and Management (Di Silvio und Basson, 2008). Das International Research and Training Centre on Erosion and Sedimentation (IRTCES) in Peking erstellt gegenwärtig eine globale Datenbank mit Sediment- und Erosionsdaten zusammen.

Die Thematik des Klimawandels und deren Auswirkungen auf Erosion und Sedimentdynamik ist von zentraler Bedeutung und hat daher einen entscheidenden Einfluss auf die nachhaltige Bewirtschaftung eines Einzugsgebietes. Ein Beitrag zum Thema „Die Auswirkungen des Klimawandels auf Erosion und Sedimenttransport durch Flüsse: Aktuelle Fortschritte und zukünftige Herausforderungen“ ist in der wissenschaftlichen Schriftenreihe des WWDR3 veröffentlicht worden (Walling, 2009).

Das Öko-Hydrologie-Programm

Das Öko-Hydrologie Programm des IHP beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität unter spezifischen sozio-politischen Einschränkungen. Der Fokus des Programms liegt auf dem Schutz der Umwelt. Entwicklungsländer sind für gewöhnlich kaum in der Lage und zeigen sich am wenigsten gewillt die Wasserproblematik in Maßnahmen zum Umweltschutz miteinzubeziehen, da ihre erste Priorität in der Regel die unmittelbaren Sicherstellung der Grundbedürfnisse ihrer Bevölkerung im Vordergrund steht. Die Öko-Hydrologie Initiative soll das Bewusstsein für dieses Themen schärfen und den Widerspruch zwischen Sicherstellung der Grundbedürfnisse und dem Umweltschutz aufheben. Die Querschnittsthemen des Öko-Hydrologie Programms umfassen folgende Punkte:

  • Die Rolle der Umwelt für den Erhalt der Wasserressourcen unter verschiedenen Klimaregimen
  • Die Festlegung eines Wertes für die „natürliche“ Umgebung
  • Die Identifikation der Einflüsse von Umweltveränderungen auf Wasserressourcen

Das urbane Wasser – Management-Programm

Das urbane Wasser-Management-Programm des Internationalen Hydrologischen Programs der UNESCO stellt Leitlinien für eine effektive Siedlungswasserwirtschaft bereit. Das Programm fasst sich mit folgenden Aktivitäten:

  • Entwicklung von technischen Lösungen zur Regenwassernutzung unter Berücksichtigung von Starkregenereignissen und demographischer Entwicklung in Städten.
  • Minimierung der Auswirkungen von städtischen Hochwassermengen. Dies erfordert eine Ueberarbeitung der bestehenden technischen Einrichtungen und eine Optimierung der staedischen Regelwerke, um von der traditionellen Technik mit dem Ziel der „Optimierung“ zu einem ganzheitlicheren Ziel der „Systemstabilität“ umzustellen.
  • Inwertsetzung bestehender städtischer Plätze sowie Entwicklung neuer technologischer Lösungen von sub-urbanen Gebieten.
  • Sicherstellen, dass das Minimum von verschmutzten Gewässern das natürliche System auch bei stärkeren Regenfällen erreichen kann. Dies gilt sowohl für kombinierte als auch für getrennte Kanalisationssysteme.

GRAFIK – Groundwater assessment under the pressure of humanity and climate change

Das UNESCO IHP-Grafik-Programm beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Grundwassersysteme. Dies umfasst die folgenden Aktivitäten:

  • Beurteilung der Auswirkungen des Globalen Wandels (z.B. Klimawandel und anthropogene Einflüsse) auf die Grundwasserressourcen.
  • Verbesserung des Verständnisses der Rolle des Grundwassers im globalen Wasserkreislauf und Untersuchungen zu den Grundwasserreserven.
  • Untersuchungen zum Einfluss der wachsenden Bevölkerung auf die Grundwasserressourcen, Auswirkungen von globaler Erwärmung auf Grundwasserneubildung, Ansteigen des Meeresspiegels und Salzwasserintrusion.
  • Sensibilisierung der Entscheidungsträger und der breiten Öffentlichkeit für die Bedeutung des Grundwassers als Süßwasserspeicher um damit den Schutz zu verbessern und eine nachhaltige Nutzung zu fördern.

PCCP – From Potential Conflict to Cooperation Potential

Über 47% der Erdoberfläche ist von grenzüberschreitenden Einzugsgebieten bedeckt. 40% der Weltbevölkerung hängt von deren Wasserressourcen ab. Der globale Wandel und die sozio-politische Auswirkungen erhöhen den Druck auf diese überlebenswichtigen Wasserressourcen. International Wasserkonflikte können enstehen, wenn es um die gemeisame Nutzung der Resource geht. Dies kann sich sowohl auf die Zuweisung, den Ausbau der Infrastruktur, die Qualität, die Nutzung zur Bewässerung oder Energiegewinnung als auch auf die gemeinsame Verwaltung beziehen. Das Porgamm PCCP stellt sich zum Ziel einem interdisziplinären, mehrstufige Dialoge um Frieden, Zusammenarbeit und Entwicklung im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung grenzüberschreitender Wasserressourcen zu fördern. Das Programm zielt auf die Beantwortung folgender Fragen ab:

  • Wie können wir widersprüchliche Anforderungen für Mensch und Umwelt unter der Bedrohung von Klimawandel minimieren?
  • Wie können wir Konflikte am besten lösen?
  • Welche Auswirkungen hat Umweltrecht auf die Ressource Wasser?

Gemeinsame Forschung und Ausbildung im Rahmen von PCCP machen es den betreffenden Parteien möglich, ihr Wissen über gemeinsame Wasserressourcen zu verbessern, während Fortschritte bei der Zusammenarbeit, Entwicklung und Anpassung erzielt werden.

Ausblick

In diesem Beitrag wurden zahlreiche internationale Initiativen und Programme der UNESCO vorgestellt, die sich mit verschiedenen Wasserfragen und insbesondere dem Einfluss des Klimas auf die Wasserwirtschaft in unterschiedlichen geographischen Regionen beschäftigen. Nicht nur die UNESCO befasst sich mit Wasserfragen auch andere Organisationen haben Wasserprogramme in ihrem Aufgabenbereich. Ein zentrales Problem mit dem sich alle diese Programmen auseinandersetzen müssen, liegt in den fehlenden Daten, dies gilt insbesondere für Entwicklungsländer. Globale Datensätze, mit Zeitreihen die lange genug sind und eine zufriedenstellende räumliche Auflösung haben um systematische Veränderungen und deren räumliche Unterschiede zu analysieren, sind jedoch notwendig. Diese existieren nur in wenigen Regionen und daher werden alternative Methoden zur Vorhersage und Beurteilung von Veränderungen benötigt. In zahlreichen Entwicklungsländern fehlt es an Institutionen deren Aufgabe es ist Daten zu erfassen, Qualitätskontrollen durchzuführen und die Daten für die weitere Verarbeitung zur Verfügung zu stellen. Selbst dort, wo verschiedene Umweltdaten gesammelt werden, werden sie selten von Ministerien oder Institutionen im gleichen Land oder über Grenzen hinweg gemeinsam genutzt. Daher müssen Institutionen in diesen Ländern in ihrem Bestreben eigene Datenbanken aufzubauen gestärkt werden. Es bleibt ausserdem die Frage inwieweit die Ergebnisse der verschiedenen internationalen hydrologischen Programme für national Fragestellungen in Wert gesetzt werden können und wie diese Programme besser aufeinander abgestimmt werden damit Synergien erreicht werden. Dazu gibt es verschiedene Vorschläge. Zum Beispiel könnte eine neue Initiative „Hydrological Change Initiative“ Inhalte existierender Programme aufgreifen und ergänzen, indem alle Aspekte von regionalem und globalem Wandel einbezogen werden, um die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Wasserressourcen zu analysieren und besser zu verstehen. Mit dem Global Water Systems Project (GWSP) und andere Programme und Initiativen wie beispielsweise der Globale Wasser Atlas, IHP-FRIEND, IHP-HELP, IHP-IFI, IHP-ISI, IHP-G-WADI und IHP-GRAPHIC wird ein koennte ein Anfang gemacht werden um sich dieser Herausforderung zu stellen. Damit können die genannten IHP Programme einen Grundstein für eine neue „Hydrological Change Initiative“ bilden und als Beitrag für den nächsten IPPC Bericht dienen.

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Siegfried Demuth
Prof. Siegfried Demuth - UNESCO Paris