Studierende der TU Kaiserslautern und FU Berlin im Einsatz in Kenia

Die klimatische Situation der Region um die im Südosten Kenias gelegene Stadt Voi ist charakterisiert durch einen jahreszeitlichen Wechsel von Trocken- und Regenzeiten. In diesem semiariden Klima treten typischerweise Extremsituationen auf, die z.B. im April 2006 oder März 2011 nach intensiven Regenfällen zu zerstörerischen Überflutungen führten, die auch zahlreiche Todesopfer forderten. Häufig bilden sich auf den wenig geneigten Hangfußflächen nach der Abflusskonzentration metertiefe Erosionsgräben (Gullies), die das Wasser sehr schnell dem Voi River zuleiten. Die wertvolle Ressource Wasser geht damit für die folgende Trockenzeit verloren, die damit verbundene Bodenerosion führt zu weitflächiger Boden-Degradation und Rückgang der Ernteerträge, sowie zur Zerstörung von Infrastruktur (Straßen, Durchlässen, Brücken) und privaten und öffentlichen Gebäuden.

Die Stadt Voi ist gegenwärtig nicht in der Lage, diese Problematik effektiv und dauerhaft zu lösen, weshalb der Bürgermeister den Kontakt zu Prof. Dr. Robert Jüpner (Technische Universität Kaiserslautern) aufnahm, mit der Bitte, die Hochwasser- und Bodenerosionsproblematik zu untersuchen und Lösungsvorschläge zu machen. Die erste Begehung vor Ort fand im Januar 2012 gemeinsam mit Prof. Dr. Achim Schulte (Freie Universität Berlin) statt, den besonders das Problem der Bodenerosion und Gullybildung interessierte.

Zurück an den Heimatuniversitäten berichteten die beiden Hochschullehrer den Studierenden von der Problemlage in Voi. Dozenten und Studierende beschlossen, dieses Thema in die Projektarbeit einzubeziehen. Während des Sommersemesters 2012 setzten sich daher einige der fortgeschrittenen Diplom- und Masterstudierenden mit dem Stand der Forschung (vor Ort) auseinander, die Kaiserslauterner und Berliner hielten einen Workshop ab und bereiteten eine gemeinsame Geländekampagne vor.

So wurden mit finanzieller Unterstützung des PROMOS-Programms beider Universitäten im Januar 2013 Geländearbeiten in Voi durchgeführt. Von Seiten der TU Kaiserslautern, Fachbereich Bauingenieurwesen, waren im Rahmen der „Projektarbeit Wasserbau“ sechs Studierende mit der Vertiefungsrichtung „Wasserbau und Wasserwirtschaft“ beteiligt, von Seiten der FU Berlin vier Masterstudierende des Schwerpunkts „Umwelthydrologie“ des Masterstudiengangs Geographische Wissenschaften. Von kenianischer Seite waren Studenteninnen und Studenten der Universitäten Taita Taveta University College (TTUC, Leitung: Prof. Hamadi Boga und Dr. Kiptanui Too) und des Pwani University College in Kilifi (Leitung: Dr. Okeyo Benards) beteiligt. Während der Geländekampagne mussten erste Grundlagen für den nachhaltigen Schutz des Bodens und vor allem vor den negativen Auswirkungen des Hochwassers erarbeitet werden. Dabei sollten naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Ansätze zusammengeführt werden.

Ziel des studentischen Projektes war es zum einen, die Prozesse, die für Niederschlag und hochwasserinduzierte Risiken in der Stadt Voi verantwortlich sind, besser zu verstehen und zum anderen, Lösungsansätze für den Hochwasser- und Bodenschutz im Stadtgebiet von Voi zu erarbeiten.

Aufbauend auf einer grundlegenden Analyse der natürlichen Gefährdungsprozesse und der Analyse der Hochwasserentstehung, haben die Studierenden Möglichkeiten des Hochwasserschutzes sowie die Erarbeitung grundlegender Lösungsansätze zur Verbesserung des kommunalen Hochwasserrisikomanagements in der Gemeinde und der Region um die Stadt Voi sowie angepasste ingenieurtechnische Lösungen zur Reduzierung der Hochwasserschäden entwickelt. Die vor Ort eingesetzten Methoden reichten von der Analyse und Auswertung von Satellitenbildern, bodenkundlicher Ansprache des Geländes, Aufnahme der Hangneigung und Vermessung der Gully-Geometrie bis zur kartographischen Schadensaufnahme und Darstellung der gefährdeten Bereiche über die Auswertung von mit Anwohnern und Betroffenen geführten Interviews und Gesprächen mit Fachbehörden.

Die mit den genannten Methoden gefundenen Risikogebiete und Lösungsansätze wurden gemeinsam mit den kenianischen Studierenden der TTUC und der Pwani University erarbeitet und den verantwortlichen Partnern in Voi vorgestellt und mit Ihnen diskutiert. In einer eigens vom Bürgermeister der Stadt Voi einberufen Sitzung und Pressekonferenz wurden die Ergebnisse den Fachbehörden in Voi und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese in vielerlei Hinsicht erfolgreichen Geländearbeiten wurden an der TU Kaiserslautern zusätzlich zum PROMOS-Programm „Gruppenreisen/Wettbewerbsreisen“ auch durch die Alumni-Vereinigung des Bauingenieurwesens sowie durch das Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft finanziell unterstützt. Die Studierenden beider Universitäten leisteten zusätzlich einen nicht unerheblichen Eigenanteil.

Ohne die sehr gute logistische Unterstützung beim Transport, der Unterkunft und Verpflegung sowie der sehr guten Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Einrichtungen der Taita Taveta Universität und dem Pwani University College, wäre der erfolgreiche Abschluss der Arbeiten vor Ort in so kurzer Zeit nicht zu leisten gewesen.

Im Gedächtnis bleiben nicht nur unvergessliche Tage in Afrika, das Erleben realer Probleme vor Ort, sondern sicher auch die Wertschätzung interdisziplinärer und interkultureller Zusammenarbeit – als praktischer Teil der universitären Ausbildung.

Heribert Nacken
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Heribert Nacken - UNESCO Lehrstuhl für Hydrologischen Wandel und Wasserressourcen-Management an der RWTH Aachen University