FgHW Seminar zur Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten

Am 6. Februar 2013 fand an der Ruhr-Universität Bochum das FgHW-Seminar zur Einführung des Merkblattes M552 „Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten“ statt. Insgesamt 40 Teilnehmende, davon 21 aus der Wasserwirtschaftsverwaltung, 11 aus Ingenieurbüros und 8 aus Forschungseinrichtungen, erhielten fundierte Informationen zu den Umsetzungsmöglichkeiten der verschiedenen Verfahren und Methoden der Informationserweiterung bei der Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten. Hierzu sprachen vier Referenten, die maßgeblich am Merkblatt mitgearbeitet haben: Professor Günter Blöschl von der TU Wien, Dipl.-Hydr. Uwe Büttner vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Professor Ralf Merz vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ Leipzig/Halle und Professor Schumann von der Ruhr-Universität Bochum (Veranstalter).

Die Vorträge orientierten sich weitgehend an den Hauptkapiteln des Merkblattes und zeigten konkret die Anwendungsmöglichkeiten der dort vorgeschlagenen Methoden und Verfahren auf. Da die meisten Teilnehmer/-innen eigene Erfahrungen bei der Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten mitbrachten, wurden die etwaigen Probleme in der Umsetzung des neuen Merkblattes intensiv diskutiert. Es zeigte sich, dass die Möglichkeiten, um die Aussagefähigkeit von Angaben zu Hochwasserwahrscheinlichen zu verbessern, wesentlich durch (notwendigerweise vorhergehende) hydrologische Grundlagenarbeiten bestimmt werden. Dies betrifft nicht nur die (oftmals fehlende) Datenprüfung und -korrektur. Es ist vielfach auch notwendig, zeitlich variable Ergebnisse, mit N-A-Modellen extrapolierte Hochwasserabflüsse oder aber prozessbedingte Unterschiede im Verlauf von Verteilungsfunktionen in einem regional vergleichenden Kontext zu betrachten. Dies setzt jedoch regionale hydrologische Grundlagenarbeiten voraus. Derartige Betrachtungen können in der Regel nur mittelfristig, d.h. außerhalb von einzelnen Projekten zur Ermittlung von Bemessungsabflüssen an einzelnen Querschnitten, erfolgen. Es steht im eigenen Interesse der

Wasserwirtschaftsverwaltung, sich derartige Grundlagen wie z.B. Aussagen zur Unsicherheit von Abflusskurven, ereignisbezogene Längsschnitte, regionale Bewertungen zu den Unsicherheiten und Extrapolationsmöglichkeiten von Abflussbildungsansätzen oder statistische Regionalisierungsverfahren zu erarbeiten, um dann die Plausibilität der Ergebnisse von Einzelbetrachtungen, die häufig an Ingenieurbüros vergeben werden, prüfen zu können. Diese Prämisse wurde (auch von Teilnehmenden aus der Wasserwirtschaftsverwaltung) als notwendige, aber zugleich kostenintensive Rahmenbedingung für konsistente und plausible Ermittlungen für Hochwasserwahrscheinlichkeiten anerkannt.

Insgesamt war die fachliche Qualität des Seminars dank der äußerst hohen Kompetenzen der Referenten, aber auch durch die gut vorbereiteten Teilnehmer/-innen sehr hoch. Die, trotz widriger Witterungsbedingungen aus verschiedenen Teilen Deutschlands angereisten Gäste erhielten zahlreiche Anregungen und methodische Hinweise zur Umsetzung des Merkblattes. Da die wesentliche Grundlage für die Ermittlung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten nach wie vor die statistische Analyse ist, wurde für die Teilnehmenden als praktikables Instrument ein kostenloses Software-Paket („EXANTO“) bereitgestellt und in einem Einführungsvortrag erläutert.

Die Veranstalter und Referenten hoffen, dass die Teilnehmer/-innen als Multiplikatoren für die Umsetzung der hydrologisch anspruchsvollen Vorgaben des Merkblattes in ihren Arbeitsbereichen wirken.

Andreas Schumann
Prof. Dr. rer. nat. habil. A. H. Schumann - Ruhr Universität Bochum