DFG Rundgespräch Hochwasserentstehung an der Ruhr-Uni Bochum

Seit 1993 die Altstadt von Köln überflutet wurde traten in Deutschland gehäuft extreme Hochwasser auf. Was können wir aus diesen großen Hochwasserereignissen lernen? Es wurde deutlich, dass viel fragmentarisches Wissen über die regionalen Hochwasserverhältnisse vorhanden ist, eine Gesamtschau, z.B. zu den Unterschieden in der Entstehung und dem Verlauf von Hochwasserereignissen in den verschiedenen Flussgebieten Deutschlands, jedoch fehlt. Dies gilt im besonderen Maße auch für die Bewertung anthropogener Einwirkungen auf die Hochwasserentstehung und den Hochwasserablauf.  Oftmals werden einzelne Phänomene über ihren eigentlichen Wirkungsbereich hinaus übertragen und verallgemeinert, obwohl die naturräumlichen Randbedingungen, die bei einer derartigen Bewertung unbedingt beachtet werden sollten, sich deutlich voneinander unterscheiden.

Am 1. und 2. Oktober fand an der Ruhr-Universität Bochum ein DFG-Rundgespräch zu Fragen der Hochwasserentstehung statt. Unter der Prämisse, dass Hochwasser das Ergebnis der zufallsbehafteten Überlagerung meteorologischer Ursachen mit hydrologischen Zuständen ist, wurde diskutiert, wie das Hochwasserregime von den Niederschlagsverhältnissen bedingt und den Eigenschaften der Einzugsgebiete (Boden, Geologie, Orographie, Topographie, Anfangsfeuchte, Landnutzung, Gewässernetz) beeinflusst wird. Hierzu trafen sich Hydrologen mit Meteorologen und Wasserbauexperten. Da die DFG die Zahl der Teilnehmer an derartigen Veranstaltungen beschränkt, konnten nur etwa 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen werden. Internationale Gäste waren die Professoren Blöschl (Österreich), Szolgay (Slowakei) und Weingartner (Schweiz).

Die Diskussionsthemen reichten im Bereich der Meteorologie von der Niederschlagsklimatologie über die räumliche Variabilität der Niederschlagsentstehung bis hin zu neuen Klassifizierungsansätzen von atmosphärischen Zirkulationsmustern. Bei den spezifischen hydrologischen Fragestellungen wurden die Probleme der hochwasserstatistischen Regionalisierung und der statistischen Zeitreihenanalyse ebenso wie die Möglichkeiten und Grenzen der deterministischen Modellierung der Hochwasserentstehung oder der Berücksichtigung wasserbaulicher Eingriffe thematisiert.

Die Diskussion zeigte, dass stets zwischen sehr unterschiedlichen Zeit-, Raum- und Ereignisskalen differenziert werden muss, wenn allgemeingültige, räumlich übertragbare Aussagen gefordert werden. Die einzelnen Einflussfaktoren nehmen in Abhängigkeit von den Anfangs- und Randbedingungen auf den verschiedenen Skalen einen unterschiedlich starken Einfluss auf die Hochwasserverhältnisse. Die Zusammenarbeit zwischen Meteorologie und Hydrologie wird dabei in Hinblick auf die Komplexität der Hochwasserentstehung bei Extremereignissen weiter an Bedeutung  gewinnen.

Im Ergebnis der Diskussion wurde beschlossen, einen Antrag bei der DFG auf Einrichtung eines Schwerpunktprogramms zum Thema „Hochwassergenese“ zu stellen. Als mögliche Themenschwerpunkte wurden, neben der vertiefte Analyse extremer Hochwasser, Untersuchungen zur räumlichen Variabilität  der Hochwasserentstehung, zur Langfristdynamik der Veränderung der Hochwasserverhältnisse und zur Prognostizierbarkeit von raum-zeitlichen Veränderungen der Hochwassergenese herausgearbeitet. Die Untersuchungen sollen sich auf die Meso- und Makroskale, d.h. auf Einzugs- bzw. Flussgebiete in den Größenordnungen von 100 und 100.000 km2 beziehen. Die Koordination des Antrages liegt in den Händen von Prof. Andreas Schumann.

Andreas Schumann
Prof. Dr. rer. nat. habil. A. H. Schumann - Ruhr Universität Bochum

Kommentar

*

captcha *