Urbane Starkregenereignisse im Fokus des Flood Management Symposiums

Nach 2015 wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal das Flood Management Symposium auf der „Wasser Berlin International“ durchgeführt. Diesmal lag der Fokus auf dem Bereich Starkregen in urbanen Gegenden. Das Symposium schien nicht ganz so gut besucht zu sein

Dr. Fritz Holzwarth vom Verein Wasser Berlin e.V. merkte an, dass das Bewusstsein für den Hochwasserschutz, zumindest in Deutschland, immer noch katastrophenabhängig sei. Jedoch habe sich die Brisanz des Themas nicht verringert und werde es zukünftig auch nicht. Im Hinblick auf die Schadenssummen würde sogar ein Anstieg erwartet. Er forderte, dass Ingenieure aus dem Bereich Hochwasserschutz, Stadtplaner und Architekten enger zusammenarbeiteten, wenn es darum ginge, neuen Wohnraum zu gestalten, bzw. existierenden Wohnraum umzugestalten.

Als gemeinsame Veranstaltung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin und der Messe Wasser Berlin International gab es eine sehr ausgewogene Auswahl von deutschen sowie niederländischen Vorträgen zu den Themen Klimawandel, Wetterextreme, Flusshochwasser und Starkregen mit dem Fokus Wasser in der Stadt.

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Günthert, Universität der Bundeswehr München, lobte die niederländischen Kollegen, die den Hochwasserschutz vorbildlich umsetzten. In Deutschland sei die Schmutzwasserbeseitigung bewältigt, jedoch der Umgang mit Niederschlagswasser und dessen Beseitigung noch kaum behandelt. Die öffentlichen Entwässerungssysteme könnten Starkregenabflüsse derzeit nur zum Teil aufnehmen. Ein theoretischer Endausbau wäre jedoch derzeit nicht zu finanzieren.

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Roeland Hillen, Direktor des Programmbüros Hochwasserschutzprogramm, betonte, dass in den Niederlanden neue Deiche so konzipiert würden, dass diese für die kommenden 50 Jahre einen Hochwasserschutz gewährleisten sollen. Jedoch werden sie auch per Gesetz alle fünf Jahre auf ihre Aktualität hin überprüft. Die Schutzfunktion der Deiche dürfe zu keinem Zeitpunkt auf das Minimum fallen.

Prof. Dr. Steffen Bender vom Climate Service Center (GERICS), Hamburg, erklärte in seinem Vortrag über das Management von Extremereignissen, dass eine Klimaprojektion kaum auf mehr als zehn Jahre zu berechnen sei. Die Theorie und die Praxis lägen auf Grund von zu vielen ungenauen Faktoren derzeit noch zu weit auseinander. Ensemble-Ansätze können hier gute Dienste leisten, in denen eine Vielzahl von möglichen Szenarien berechnet und beurteilt werden. Er betonte, dass neben einer transdisziplinären Arbeit jedes Ereignis individuell betrachten und kontinuierlich betreuen muss.

Dirk van Peijpe (DE URBANISTEN) stellte in seinem Vortrag u.a. ein Beispiel aus Rotterdam vor, bei dem Starkregenereignisse durch in die Stadtarchitektur integrierte Rückhaltebecken entsprechend abgefangen werden. Diese Becken werden normalerweise als Erholungsbereiche genutzt, liegen jedoch unter dem Normalniveau der Stadt, so dass bei einem Starkregenereignis sowohl der oberirdische Regenabfluss als auch die Dachentwässerung der Umgebung in diesen abgefangen werden können.

Dr. Eberhard Faust von der MunicRe erklärte, dass seit dem Jahr 1900 die Niederschlagsrekorde im mittleren und nördlichen Europa signifikant angestiegen seien. Die vormals 20-jährlichen Regenereignisse seien mittlerweile zu zehnjährlichen angewachsen. Laut Faust ist zurzeit eine deutschlandweite Zonierung von Starkregenrisiken durch die deutschen Versicherer in Arbeit.

„Monsun“ – Medien verstärkten Unverständnis der Bevölkerung gegenüber Schutzmaßnahmen

In ihrer Schlussfolgerung zum Starkregenereignis in Berlin 2016 erwähnte Dr. Carin Sieker, Leiterin Strategie im Bereich Abwasserentsorgung der Berliner Wasserbetriebe, dass die Medien damals dafür gesorgt hätten, dass die Bevölkerung diese Ereignisse nicht richtig verstehen. Das damals als „Monsun“ beschriebene Ereignis bedeutete für die Anwohner, dass es fast nicht schlimmer kommen könnte. Die Einordnung dieses Starkregenereignisses im DWA-Merkblatt DWA-m 119 zeigt hier allerdings „nur“ eine Kategorie 4. Diese sicherlich anders gemeinte „Fehlinformation“ der Medien trägt bei den Anwohnern nicht dazu bei, dass die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen vor Starkregenereignissen auf der Prioritätsliste weiter steige – mit entsprechenden Konsequenzen.

Cristina Pop, Leiterin Tiefbauamt der Stadt Straubing, stellte zum Schluss noch ihre positiven Erfahrungen mit dem DWA-Hochwasseraudit vor. Eine der größeren Hürden sei hier die Koordination der einzelnen beteiligten Abteilungen. Ist das eventuell auch ein Indiz dafür, dass Hochwasserschutz auch in Straubing nicht auf einem vorderen Platz steht? Dies wurde jedoch nicht näher erläutert.

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Marc Scheibel vom Wupperverband hob in seiner Präsentation noch einen weiteren wichtigen Aspekt hervor. Die Jahresniederschlagsummen in seiner Region hätten sich in den letzten Jahren nicht verändert. Was sich jedoch verändert hätte, wäre die Intensität. Es gäbe mittlerweile mehr trockene Tage, dafür aber auch an den anderen Tagen mehr Niederschlag. Das Bewusstsein der Bevölkerung wäre jedoch in Richtung trocken verschoben.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass in Deutschland mehr in den Bereich Hochwasserschutz (Fluss und Starkregen) investiert werden muss. Die Bevölkerung muss (auch wenn es in den Trockenperioden sehr schwer ist) in die Maßnahmen mit einbezogen werden, um dadurch das Bewusstsein solcher Ereignisse weiter zu stärken.

Der Begriff Hochwasser darf nicht nur auf den Bereich des Flusshochwassers beschränkt werden, da ansonsten Kommunen, durch die kein Fluss fließt, das Interesse verlieren, um dann im Ernstfall ggf. unnötig hart getroffen zu werden. In der Planung von Neubaugebieten sollte standartmäßig das Thema Starkregen eine Rolle spielen. Clevere Mehrfachnutzungen von Retentionsräumen auch auf kleiner Fläche sind möglich, jedoch eventuell teuer.

Auch darf nicht vergessen werden, dass Schutzmaßnahmen unterhalten werden müssen. Jedoch hat sich in bislang jedem Schadensfall gezeigt, dass eine vorherige Investition in entsprechende Schutzmaßnahmen günstiger gewesen wäre. Städtepartnerschaften, wie sie hier teilweise vorgestellt wurden, müssen in Zukunft als wertvolle Plattformen dienen, um Wissen auszutauschen. Nur wenn gemeinsam und grenzübergreifend an diesem Thema gearbeitet wird, kann das Beste für alle Seiten erzielt werden. Die EU hat mit der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie einen wichtigen Startschuss zum Hochwasserschutz gegeben, der sich jedoch in der Umsetzung auf das Flusshochwasser beschränkt. Die hier gewonnenen Erkenntnisse können sicherlich eine Grundlage bilden, um Bewertungen, Gefahren- und Risikokarten sowie Starkregenmanagementpläne in Zukunft entwickeln zu können.

Roman Breuer
Dr. rer. nat. Roman Breuer Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie der RWTH Aachen University

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