KommunikationsFluten in Leipzig

Zum internationalen Kongress KommunikationsFluten am 6.11.2015 in Leipzig, kamen Experten aus Medien, öffentlichen Verwaltungen, Bundeswehr, Katastrophenschutz sowie der IT-Branche zusammen, um die Auswirkungen der letzten verheerenden Hochwasser in Sachsen zu diskutieren.

Den Anfang machte Sven Jahny (MDR), der über seine Untersuchung über die mediale Flussberichterstattung des MDR in den Jahren 2002 und 2013 berichtete. Der Journalismus müsse in seinen Augen vom alleinigen Newsproduzenten weggehen, hin zum Medienkurator und den Nutzer in die Berichterstattung mit einbeziehen. Wenn die Bürger alleine durch das Nutzen von sozialen Medien selbst zum Journalisten werden und die Ersten sind die Ereignisse veröffentlichen, so bestimmen sie auch für eine gewisse Zeit die Informationslage. „Das Internet geht halt nicht mehr weg“ so Jahny, und damit hat er sicherlich auch Recht. Jedoch erreicht wird über dieses Medium immer noch nicht jeder erreicht und ausfallsicher ist es auch auf Grund seiner Beschaffenheit – der Punkt-zu-Punkt-Verbindung – nicht. Server können überlastet sein und nicht mehr reagieren. Wenn aber alles funktioniert, dann sei das Internet im Katastrophenfall definitiv nicht mehr weg zu denken. Im Augusthochwasser 2002 wurden rund 18 Mio. Zugriffe auf die MDR-Webseite registriert, 2013 waren es während des Hochwassers schon rund 92 Mio. Zugriffe. Diese profitierten von einem 24h-Liveticker, einen Liveblog in dem Hilfegesuche und Hilfsangebote platziert wurden. Es wurden Hochwasserstände per mobiler App verbreitet sowie Audio- und Videobeiträge veröffentlicht. Jahny mahnte aber trotzdem zur Vorsicht, da sich durch die Massen an ungefilterten Informationen der Bürger (bspw. Twitter oder Facebook) auch Nachrichten wiedersprechen, ja sogar absichtlich falsche Information verbreitet würden. Hieran müssten sich auch die Journalisten gewöhnen und lernen die Spreu vom Weizen trennen zu können.

By Steffen Peschel from Dresden, Germany (#Hochwasser #Dresden @ Leipziger Strasse) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

By Steffen Peschel from Dresden, Germany (#Hochwasser #Dresden @ Leipziger Strasse) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V ist laut Julian Rossig in den ersten Stunden einer Hochwassersituation mit der Menschenrettung, Evakuierung und Betreuung beschäftigt. Die dazu notwendige Kommunikation der Helfer vor Ort wird über interne Kanäle geregelt. So bleibt gewährleistet, dass ein Gleichschritt von interner und externer Kommunikation beibehalten wird. In der Katastrophe an sich werden von Seiten der Johanniter jegliche langfristige bzw. anderweitige Kommunikationsaktivitäten gestoppt, um so die erforderlichen Ressourcen zu binden. Es werden zwar aussagekräftige Videos und Fotos erstellt, jedoch nicht von den Helfern vor Ort, denen es sogar nicht gestattet ist Kameras und/oder Fotohandys im Dienst mitzuführen, damit keine schutzwürdigen Personen fotografiert werden („Die Macht der Bilder kann nicht überschätzt werden“). Rossing erklärte weiter, dass zur Beschleunigung der Kommunikation eine Straffung der Zuständigkeiten stattfinde; Grundsatzdiskussionen ersatzlos gestrichen, Freigabeschleifen verkürzt und gelerntes Wissen schnell verbreitet würde. Soziale Medien, so meint er, müssen vor der Katastrophe eingerichtet sein, genauso wie die Schulung der Mitarbeiter, die diese im Ernstfall nutzen müssen.

Stefan Seeger von der Bundeswehr berichtete über die Kommunikation im Katastrophenschutz aus der Sicht der Bundeswehr in dem er klar herausstellte, dass Katastrophenschutz primär Sache der Bundesländer, der Landkreise und der kreisfreien Städte sei. Erst wenn diese die Situation nicht mehr beherrschen, käme die Bundeswehr zum Einsatz. Die interne Kommunikation, beispielsweise zu den Reservisten, findet klassisch per Telefon statt, die innerhalb von 6 Stunden einsatzbereit sein müssen. „Social Media findet bei der Bundeswehr nicht statt“ lautet eine eindeutige Kernaussage Seegers.

Bei der Bürgerinitiative „Fluthilfe Dresden“ kamen 2013 soziale Netzwerke zu 100% zum Einsatz. Über ihre Facebook-Gruppe trug die Initiative massiv zur Koordination der Hilfe bei. Daniel Neumann gründete diese Initiative aufgrund der Tatsache, dass er etliche Hilfsgesuche und -angebote bei Facebook las für die es keine zentrale Steuerung gab, die diese kanalisierte bzw. organisierte. „Jemand muss was tun“, schilderte er seine Gedanken damals. Bedenken hatte er trotzdem bezüglich seiner Reputation, da er nicht abschätzen konnte wohin seine Idee führen würde. Dieser Gedanke zielt auch auf ein zentrales Problem bei der Kommunikation im Katastrophenfall ab: Die Reputation, die eine Organisation im Fall von falsch und/oder schlecht eingesetzten Aktivitäten  in sozialen Medien einbüßen könnte. Sei es aufgrund von Shitstorms, Trittbrettfahrern oder Personen, die den Kanal zu Werbezwecken nutzen bis hin zu verbal ausgeführten öffentlichen Streitereien. Solche Inhalte können ganz schnell dazu führen, dass ein solcher Kanal scheitert.
Die Fluthilfe Dresden fand in Facebook jedoch eine fast barrierefreie, kostenlose und nahezu ausfallsichere Basis, die im Jahre 2013 von fast 17 Mio. Nutzern rund um die Uhr genutzt wurde. Neumann erzählte vom rasanten Zuspruch der Facebook-Gruppe, die selbst ihn als Digital Native überrascht hatte. Innerhalb von 14 Stunden wurden 12.000 Likes verzeichnet. Nach einer Woche waren es schon 50.000 Likes mit 2.424.892 erreichten Nutzern. Er konnte dadurch 50.000 Helfer mobilisieren und gezielt an Einsatzorte schicken. Selbst drei regionale Baumärkte und zwei Sandgruben seien akquiriert worden. Er berichtete über zwei Situationen in denen zum Einen nachts um 2:00 Uhr ein Problem an einem Deich gepostet wurde und nach 15 Minuten dort erste Helfer vor Ort (sogar die Bundeswehr, …) waren. Zum Anderen musste eine Familie evakuiert werden, deren Wohnung zwei Stunden nach Absetzen des Hilferufs durch die freiwilligen Helfer ausgeräumt und anderweitig verstaut worden war. Daniel Naumann wusste aber auch von diversen Schwierigkeiten zu berichten. So waren Falsch- und Doppelinformation ein großes Problem, sowie fehlendes Wissen und Geräte bzw. Material vor Ort. Auch Trittbrettfahrer die die Situation schamlos ausnutzten wären ein Problem gewesen. Eine weitere Schwierigkeit war es um die 60-80 Nachrichten pro Minute in den Griff zu bekommen. Für die Zukunft wünscht er sich offizieller Ansprechpartner für einzelne Deiche, ein aktiver Sitz der Fluthilfe Dresden im Krisenstab sowie eine direkte Kooperation mit Facebook. Der Sitz im Krisenstab würde, seiner Meinung nach, die Glaubwürdigkeit der Informationen erhöhen und dadurch noch mehr Helfer generieren können.

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By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Soziale Medien haben bewirkt, dass tausende Menschen im Juni 2013 mit angepackt haben um Sachsens Kommunen vor dem Hochwasser zu schützen. Dieses Engagement war bis dahin kaum vorstellbar gewesen. Dass nicht immer alles positiv verläuft ist selbstverständlich und die freiwilligen Spontanhelfer ohne eine entsprechende Einweisung vor Ort auch so manches falsch machen können, erläuterte Veronika Lowke vom Sächsischen Landkreistag. Sie zeigte beispielhaft die negativen Seiten der Selbstorganisation ohne fachliche Unterstützung auf. So wurden unter anderem Sandsäcke vor der Ausfahrt einer Malteser Rettungswache gestapelt, wodurch das Ausrücken zum Einsatz behindert wurde. Weiterhin wurde ein Spundwanddeich durch Sandsackauflagen so „verstärkt“, dass er sogar instabiler wurde als vorher und die Sandsäcke mühsam durch die Bundeswehr wieder abgetragen werden musste. Die freiwilligen Helfer durften dies aus Sicherheitsgründen nicht. Des Weiteren wurde durch einen Sandsackwall der für mobile Hochwasserschutzwände vorhergesehene Bereich verbaut, so dass dieses effizientere Wasserrückhaltesystem nicht mehr aufgebaut werden konnten. Selbst die wichtigen Zufahrten zu den Deichen wurden teilweise durch Sandsäcke zugebaut. Diese sicherlich gut gemeinten aber schlecht gemachten Aktionen führten leider dazu, dass wertvolle Einsatzkräfte an anderen Stellen fehlten. Es darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass auch Veronika Lowke von den positiven Seiten sprach. Beispielsweise ersetzten etwa 200-300 freiwillige Helfer in kürzester Zeit eine motorisierte Sandsackabfüllmaschine. Vergleicht man diesen Bericht mit dem der „Fluthilfe Dresden“, so wird eines schnell klar: Freiwillige Hilfe zu organisieren kann durch Soziale Medien und deren Betreiber perfekt abgebildet werden. Eine Vor-Ort-Betreuung zum Einweisen und eine Einbindung der Medienorganisation in den Krisenstab, sind aber unerlässlich. Auch muss eine Schulung der Medienkompetenz der Digital Immigrants, also derjenigen Personen, die nicht mit den Sozialen Median aufgewachsen sin, in den zentralen Stellen weiter vorangetrieben werden. Ansonsten endet die Nutzung moderner Kommunikationstechnologien im ‚effizienzlosen Chaos‘.

Hans-Peter von Kirchbach, General a.D. und Leiter der unabhängigen Kommissionen der Sächsischen Staatsregierung zur Untersuchung der Flutkatastrophen 2002 sowie 2013, stellte zunächst fest, dass der Freistaat Sachsen aus der Hochwasserkatastrophe von 2002 gelernt habe. Er sprach darüber, dass in einem Katastrophenfall das Lagebild erst allmählich wächst, aber die Geschwindigkeit in der man das Puzzle zusammensetzt, für die Bekämpfung immens wichtig sei: „Einen großen Zeitverlust am Anfang kann man später kaum noch aufholen!“ Er betonte, dass es unmöglich sei Strukturen erst im Katastrophenfall aufzubauen. Ein Lagezentrum müsse ständig verfügbar sein und Übungen seien unverzichtbar für alle, „auch für die hohen Stäbe“. Je schneller eine gefährliche Situation eintreffe und umso weniger Vorlauf man habe, umso wichtiger sei eine sinnvolle Vorbereitung. In der Hochwassersituation 2013 hatte man aus 2002 dahingehend gelernt, dass nun Wetterdaten aus den Nachbarländern verfügbar waren. Die Kommunikationswege wurden vereinfacht, so dass Informationen auch an der richtigen Stelle ankamen, was 2002 anscheinend nicht immer der Fall gewesen sei. Im Hinblick auf die Sozialen Medien betonte er, dass die Organisationshoheit des Staates kaputt zu gehen drohe, wenn die eigenständigen Aktionen der freiwilligen Helfer nicht organisiert werde. Es müssen also die sozialen Netzwerke mehr berücksichtigt und die Eigenverantwortung der Bürger gestärkt werden. Aber die eigentliche Organisation dürfe nicht aus der Hand gegeben werden. Zusätzlich müsse die Zusammenarbeit mit Nachbarländern intensiviert werden.

By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Christian Kuhlicke präsentiert Ergebnisse einer Langzeitstudie zur Risikokommunikation in Sachsen. Ziele der Risikokommunikation sind u.a. das Herstellen von Risikobewusstsein, die Stärkung von Handlungskompetenzen zur privaten Vorsorge und das Schaffen einer Vertrauensbasis in diejenigen, die kommunizieren und Informationen verbreiten. Immer noch an erster Stelle der häufigsten Kommunikationsarten in der Hochwassersituation von 2013 stand die Unterhaltung. Kommunikation in den Soziale Medien lag in seiner Untersuchung auf dem letzten Platz. Als die am vertrauenswürdigste Information wurden die Pegelstände des Hochwasserzentrums von 74% der gefragten Personen genannt. 14% nannten Sozialen Medien als eine vertrauenswürdige Quelle. Durch die Risikokommunikation fiel die Anzahl der nicht vorbereiteten Haushalte von 85% (2002) auf 19% (2013). Jedoch wurde die Vorbereitung in fast allen Fällen jeweils nach dem Hochwasser getroffen. Letzteres scheint anzudeuten, dass die Information die betroffene Bevölkerung zwar erreicht, die resultierende Gefahr jedoch noch immer unterschätzt wird. Schließlich gehört zu einem wirkungsvollen Hochwasserschutz auch ein entsprechendes privates Budget, welches oftmals für andere (wichtigere?) Sachen ausgeben werden kann. Handlungskompetenzen werden generiert durch Hochwassererfahrung, gefühlter Schutz und Selbstwirksamkeitserwartung. Es müsse gezeigt werden, dass private Vorsorge wirklich Sinn macht und dass getroffenen Maßnahmen auch Wirkung haben. Und das funktioniert in vielen Fällen schlecht, wenn kein Hochwasser vorhanden ist.

Über Hochwasserinformationssysteme berichtete Jan Danhelka vom tschechischen Hydrometeorologisches Institut – CHMÚ. Bis 1989 wurde die Wasserstandsvorhersage für Schiffe grenzübergreifend als zweisprachige Radiosendung verbreitet. Im Jahre 2002 wurden Daten mit einer stündlichen Auflösung einmal pro Tag per Telefonleitung von 85 Pegel und 91 Vorhersagestellen übertragen. Diese Übertragung funktioniere in einer Hochwassersituation jedoch nicht. Im Jahr 2013 wurden die Daten mit einer 10 minütigen Auflösung per GPRS von 267 Pegel und 162 Vorhersagestellen (davon 70 Online) übertragen. Die Daten werden zentral auf der Webseite zusammengefasst und zeigen unter anderem den Pegelstand, die Ablaufmengen, Vorhersagen und statistische Evaluierungen. Auch werden teilweise aktuelle Daten mit historischen Daten verglichen. Ein wichtiger Teil der Arbeiten des CHMÚ erstreckt sich auf den Austausch von Informationen mit anderen Organisationen. Alle Betriebsdaten sind öffentlich verfügbar, wohingegen die historischen Daten aus Finanzierungsgründen teilweise nur verkauft werden können. Ein Austausch der Daten zwischen Deutschland und Tschechien findet regelmäßig statt.

By Karte_Hochwasser_in_Mitteleuropa_2013.png: Alexrk2 derivative work: Ulamm [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

By Karte_Hochwasser_in_Mitteleuropa_2013.png: Alexrk2 derivative work: Ulamm [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Im EU geförderten FP7-Projekt „Slándáil“ entwickelt Gerhard Heyer mit seinem Team der InfAI der Universität Leipzig ein System zur Nutzung und Auswertung von Informationen (Text und Bild) aus Sozialen Medien. Er sieht das Potential der Sozialen Medien in der schnellen und direkten Weitergabe von Informationen an eine breite Öffentlichkeit und kann dadurch mit den Betroffenen interagieren bzw. mit den freiwilligen Helfern kooperieren. Genau wie seine Vorredner berichtete er, dass es aber auch eine Schattenseiten durch die schnelle Verbreitung von Falschinformationen und die Selbstorganisation von unangemessenen Aktivitäten gibt. Slándáil ist in der Lage Facebook und Twitter Nachrichten auszuwerten und gebündelt aufbereitet dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Dabei zeigte es sich bereits, dass Facebook Nachrichten mehr empathisch, emotionell und informell, Twitter Nachrichten sachorientierter, objektiver und situativer seien. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass Twitter maximal 140 Zeichen für eine Nachricht zulässt. Dass solche System notwendig geworden sind, machte schon der Vortrag der Fluthilfe Dresden sichtbar, die mit 60-80 Nachrichten pro Minute zu kämpfen hatten. Heyer stellte heraus, dass es einen dringenden Bedarf an diesen Werkzeugen zur automatischen Auswertung von Sozialen Medien gibt, fügte aber auch umgehend hinzu, dass es im Bereich Datenschutz noch eine Menge Hürden und Arbeit gibt um diese Werkzeuge nicht zu missbrauchen. Seine pragmatische Idee wäre, dass im Fall einer Katastrophe der Einsatz solcher Werkzeuge von geschultem Personal erlaubt sein sollte. Die Zukunft solcher Werkzeuge ist sicherlich die allgemeine legale und öffentliche Auswertung von Sprachnachrichten.

Einen Überblick über die Fachterminologie in Fachkommunikation und Sozialmedien anhand von Naturkatastrophen bzw. Flutkatastrophen gab Raffaella Panizzon von der Universität Padua. Sie sprach darüber, dass ein effizientes Kommunikationsnetzwerk eine erfolgreiche Krisenbewältigung maßgeblich unterstützt. Die sozialen Medien schaffen eine Nähe zu den Krisenorten in dem sie fast immer durch die jeweiligen Ortsnamen gekennzeichnet sind, wohingegen die Zeitung mehr den Bezug zum größeren geographischen Kontext schafft. Anhand von Beispielen zeigte sie auf, wie Webportale mit den Nutzern kommunizieren. So gibt es Webseiten die einen rein informativen Charakter haben und zum Leser keine Nähe aufbauen. Dieser formelle Stiel schaffe eine Art Machtdistanz und könne auch zum Handeln aufrufen. Andere Webseiten sprechen die Bevölkerung direkt an, forcieren sie sogar direkt zum Handeln indem die Hashtags wie #getready, #helpyourself oder #nachdemhochwasseristvordemhochwasser nutzen. Diese Portale verstehen Hochwasservorsorge als einen Kreislauf, der nicht mit dem Aufräumen beendet sei. Panizzon betonte abschließend, dass die Medien einfach und zielorientiert sein müssen, und relevante Informationen vorhalten müssen, um Vertrauen bilden zu können. Dies müsse sogar dringend im Vorfeld einer Krisensituation geschehen und haute damit in die gleiche Kerbe wie ihr Vorredner Hans-Peter von Kirchbach.

By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

By Dr. Bernd Gross (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

In der Abschließenden Podiumsdiskussion über gelernte Lektionen, die von André Böhmer moderiert wurde, vertrat Veronika Lowke die Meinung, dass in der konkreten Krisensituation nicht immer erst die Probleme aufgezeigt werden müssen, sondern dass  gehandelt werden solle um zu helfen. Wie staatliche Stellen rechtlich sicher und wirkungsvoll die sozialen Netzwerke nutzen können, muss trotzdem kontinuierlich weiter erarbeitet werden. Alle Teilnehmer waren sich bezüglich des Datenschutzes einig, dass dieser nicht vergessen werden dürfe. Die rechtlichen Rahmenbedingungen seien aber „in ein paar Jahren geklärt“, so Gerhard Heyer. Joachim Scharloth sprach noch einmal über die Manipulationsanfälligkeit der Daten aus sozialen Netzwerken und mahnte dazu die klassischen Kommunikationsmedien nicht zu vernachlässigen.

In Zeiten in denen laut einer BITCOM-Studie vom März 2015 „6 von 10 Bundesbürgern ab 14 Jahren (63 Prozent)“ ein Smartphone nutzen, steigt die Informationsverbreitung rasant und unüberschaubar an. Krisensituationen erfordern oft schnelles Handeln welches durch schnell verfügbare Informationen unterstützt werden kann. Hilfesuchende und freiwillige Helfer können dank moderner Medien innerhalb kürzester Zeit zusammenfinden. Mehrere Hundert freiwillige Helfer innerhalb von Minuten zusammenzubringen, macht die Kraft der digitalen Netzwerke deutlich. Das Hochwasser 2013 in Sachsen hat deutlich gemacht was machbar ist. Es hat aber auch gezeigt wo noch Bedarf besteht: Datenschutz, Vor-Ort-Organisation durch geschultes Personal, Zentralisierung der Organisation des sozialen Netzwerke und stetiges Weiterentwickeln der Medienkompetenz. Die Technologie ist vorhanden, nach er Flut ist vor der Flut und zum Aufräumen müssen auch noch Helfer übrig bleiben.

Roman Breuer
Dr. rer. nat. Roman Breuer Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie der RWTH Aachen University
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