HWRM-Forum: Blick hinter die Kulissen

IMG_6349Wer macht eigentlich Hochwasserrisikomanagement in Deutschland? Diese Frage haben wir, drei Studierende im Master-Studiengang Umweltingenieurwissenschaften an der RWTH Aachen, uns beim Besuch der Vorlesung Hochwasserrisikomanagement des Öfteren gestellt. Selbstverständlich werden organisatorische und politische Strukturen und Zuständigkeiten gelehrt; welche konkreten Einzelpersonen tatsächlich dahinterstehen, bleibt im Umfeld eines universitären Studiums jedoch weitestgehend verborgen.

Antworten fanden wir jetzt beim Studentischen Forum am Vortag des 8. Forums zur EG-HWRM-RL im Landesamt für Umwelt, Rheinland-Pfalz, in Mainz. Es bot den beteiligten Professoren und Studierenden der Hochschulen Koblenz, TU Kaiserslautern, RWTH Aachen und FU Berlin die Möglichkeit, sich auszutauschen.

Als Rahmenprogramm stellten die Studierenden Projekte der Hochschulen und Abschlussarbeiten vor, die sich mit dem Thema Hochwasserrisikomanagement beschäftigten.

Das Spektrum der Arbeiten war sehr weit gefächert, von der Entwicklung von Schutzkonzepten für Kenia, Sturzflutanalysen bis zu Überflutungsszenarien des Rheins bei Deichversagen.

Unsere Gruppe der RWTH Aachen wählte die Vorstellung des Serious-Games SeCom 2.0, bei dem das spielerische Simulieren von Koordinationsaufgaben im Hochwasserfall für Köln im Vordergrund steht. Die Anwendung war Teil unserer Vorlesung Hochwasserrisikomanagement von Professor Nacken.

In den Kaffeepausen und beim gemeinsamen Abendessen wurde viel über die Projekte sowie generell über Themen des Hochwasserrisikomanagements diskutiert.

IMG_6322

Interessante Einblicke in die Fachthematik außerhalb der Universität

Am folgenden Tag gab das 8. Forum zur Umsetzung der EG-HWRM-RL einen ersten Einblick in die fachliche Thematik außerhalb der Universität. Neben dem Angebot an interessanten Fachvorträgen mit anschließender Diskussion bestand auch die Möglichkeit zum Kennenlernen der am HWRM beteiligten Akteure, von Ingenieurbüros bis hin zu Landesämtern und -ministerien. Insbesondere der nationale Blick auf die Themenblöcke HWRM-Planung, Maßnahmen und Finanzierung durch die Vorstellung von länderspezifischen Herangehensweisen und Umsetzungserfolgen der Richtlinie war eine Bereicherung.

Ein großer Fokus der Vorträge lag auf den verschiedenen Umsetzungsstrategien der Bundesländer zur Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Diese wurden von Vertretern der Landesumweltämter Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen vorgestellt.

Darüber hinaus gab es aber auch Vorträge zum Thema hochwasserangepasstes Bauen in Hamburg oder ein Hochwasservorsorgekonzept für starkregengeschädigte Gemeinden.

Zum Abschluss gab Professor Jüpner noch einen Ausblick, wie es mit dem Hochwasserrisikomanagement in Zukunft weitergeht. Hier waren zwei Aspekte aus unserer Sicht besonders interessant.

Zum einen, dass in Zukunft noch mehr versucht werden muss, die Bevölkerung mit einzubinden und von notwendigen Projekten und Maßnahmen zu überzeugen.

Zum anderen der verstärkte Fokus auf die Sturzflutproblematik. Hier haben die Ereignisse der letzten Wochen deutlich gezeigt, dass noch ein großer Handlungsbedarf besteht, aber auch, dass in diesem Bereich weiter geforscht werden muss, um die Problematik besser zu verstehen und dementsprechend beherrschen zu können.

Aus unserer studentischen Sicht könen wir festhalten, dass zukünftig dem gemeinsamen Handeln noch mehr Bedeutung zugesprochen werden sollte. Ein „Lernen aus der Zukunft“, also ein vorausschauendes Denken, ist insbesondere unter Berücksichtigung der aktuell beobachtbareren Zunahme an Starkregenereignissen zu ergreifen.

Agnes Nießen, Liliane Manny, Georg Soltau, 2. Semester Water Resources Management, RWTH Aachen

StudisForum

Agnes Nießen, Liliane Manny, Georg Soltau - Master-Studiengang Umweltingenieurwissenschaften - RWTH Aachen