Mobiler Hochwasserschutz und SeCom 2.0

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche mobile Hochwasserschutzsysteme entwickelt. Mobile Hochwasserschutzsysteme können eingesetzt werden, wenn die vorhandene Fläche für stationäre Systeme wie Deiche oder Mauern nicht ausreicht oder ein stationäres System das Landschaftsbild zu stark beeinträchtigen würde.

Gegenstand der Bachelorarbeit „Klassifizierung und Vergleich verschiedener mobiler Hochwasserschutzsysteme“ waren Dammbalken- und Dammtafelsysteme, Torsysteme, Schlauchwehrsysteme, aufklappbare und aufschwimmende Systeme, Sandsackdeiche sowie Stellwandsysteme und Behältersysteme (Aquariwa, Big Bags und Mobildeiche). Sie wurden hinsichtlich ihrer Eigenschaften, Vor- und Nachteile (z. B. Anfälligkeit gegenüber evtl. schädigenden äußeren Beeinflussungen, technischen Problemen und Vandalismus), Anzahl der benötigten Einsatzkräfte und benötigter Aufbauzeit sowie Logistik und Kosten betrachtet und gegenübergestellt.

Zur besseren Übersicht und zur Vereinfachung der Wahl eines für einen bestimmten Uferabschnitt geeigneten Systems wurden die dargestellten Systeme in vier Klassen eingeteilt. Kriterien für die Zuordnung in eine der Klassen waren Sicherheit, Anzahl der benötigten Einsatzkräfte, Aufbaugeschwindigkeit, benötigte Lagerfläche und Kosten.Secom-1

Ein weiterer Bestandteil der Arbeit war die Erarbeitung eines Konzeptes zur Einbindung der mobilen Systeme in ein Serious Game, ein digitales Spiel, in dem das Lernen im Vordergrund steht. Anhand des Serious Games „Serious Community 2.0 prevent flooding“ (SeCom 2.0), das vom Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie (LFI) der RWTH Aachen in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen entwickelt wurde, sollen Studierende des Bauingenieurwesens und für das Maßnahmenmanagement Verantwortliche mit möglichen Hochwasserszenarien konfrontiert werden und den Aufbau mobiler Hochwasserschutzsysteme in verschiedenen Varianten trainieren.

Der Nutzer von SeCom initiiert, dass Einsatzkräfte, Lkw mit den für den jeweiligen Uferabschnitt benötigten Materialien und die „Verkehrslenkungen“ (diese dienen der ggf. notwendigen Umleitung des Verkehrs) zum Einsatzort gelangen, um Dammbalkensysteme oder Sandsackdeiche zu errichten.

Bei einer kritischen Betrachtung von SeCom zeigten sich einige Fehler in den zugrundeliegenden Daten, die zunächst korrigiert werden sollten. Dabei geht es vor allem um das richtige Verhältnis zwischen den Aufbaugeschwindigkeiten und der Anzahl der Anlieferungen per Lkw bei Dammbalkensystemen und Sandsackdeichen.

Mithilfe der in der Arbeit ermittelten Aufbaugeschwindigkeiten und der benötigten Anzahl Anlieferungen per Lkw könnten die bisher in SeCom nicht berücksichtigten Systeme ergänzt werden. Zusätzlich sollten in SeCom weitere ergebnisrelevante Rahmenbedingungen eingearbeitet werden, um den Nutzer mit allen Aufgaben des Maßnahmenmanagements vertraut zu machen.

Dieses Management beinhaltet alle Maßnahmen, die vor, während und nach dem Einsatz der mobilen Hochwasserschutzsysteme in Bezug auf den Aufbau durchzuführen sind. Bei einigen mobilen Hochwasserschutzsystemen sind zum Beispiel Vorbereitungsmaßnahmen erforderlich, es werden bestimmte Gerätschaften benötigt, um ein System aufbauen zu können oder die Bevölkerung muss zur Mithilfe aufgerufen werden.

Miriam Stoffels
Miriam Stoffels - Studentin des Bauingenieurwesens an der RWTH Aachen
WP2FB Auto Publish Powered By : XYZScripts.com